In den letzten zwei Artikeln der Reihe über Green Startups haben wir bereits erörtert, wie elementar die Verminderung von Treibhausgas-Emissionen ist. Neben Plastikvermeidung und Reduzierung der Lebensmittelverschwendung können im Verkehrssektor schnell hohe Einsparpotentiale realisiert werden. Der Verkehrssektor ist für rund 19% des gesamten deutschen CO2-Ausstoßes verantwortlich und ist damit der dritt-belastende Bereich nach den Sektoren Energie und Industrie. Im Vergleich zu anderen Sektoren sind die Emissionen des Transportsektors kaum gesunken. 96% der Emissionen innerhalb des Transportsektors entstehen in Deutschland dabei im Straßenverkehr.

Der Verkehr in Deutschland wächst stetig. Während sich der Güterverkehr seit 1960 verdreifacht hat, ist der Personenverkehr sogar um das Vierfache gestiegen. Auch wenn in den letzten Jahren Deutschlands Verkehrssektor einige nachhaltige Innovationen (Elektromobilfahrzeuge) und Verbesserungen (Ausbau des ÖPNV) erlebt hat, wachsen die Umweltfolgen aufgrund der Verkehrszunahme. Die Luftverschmutzung in deutschen Städten hat in den letzten Jahren immer häufiger kritische Grenzwerte überschritten und stellt ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für die urbane Bevölkerung dar. Dazu führt das Wachstum vieler deutschen Städte zu einer erhöhten Belastung des innerstädtischen Verkehrs, wodurch auch das Unfallrisiko auf dem Schul- und Berufsweg wächst.

Für einen wirtschaftlichen Austausch, Beschäftigung, Sicherheit und die Erhaltung eines hohen Lebensstandards ist Mobilität eine Grundvoraussetzung. Um mehr Nachhaltigkeit im Verkehr zu erreichen, scheint in Deutschland eine Transformation im Transportsektor unausweichlich. Die Politik hat bereits unter dem Begriff “Verkehrswende” wesentliche Ziele für einen nachhaltigen Wandel bis 2030 formuliert. Die Revolution durch eine nachhaltige Mobilitästransformation ist eng verbunden mit digitalen Lösungen und der Entwicklung von Smart Cities. Der Begriff New Mobility beschreibt dabei die Transformation zur nachhaltigen Fortbewegung der Zukunft. Der Beitrag von deutschen Entrepreneuren zur Verkehrswende ist äußerst dynamisch und ihre Innovationen für ein Gelingen unverzichtbar. Junge Startups haben in den letzten Jahren zahlreiche nachhaltige Lösungen entwickelt. Auch hier zeigt sich wieder einmal, wie wichtig Startups als Problemlöser und Beschleuniger der Transformation sind.

Onomotion und CITKAR haben zum Beispiel das E-Cargo Bike neu gedacht. Ihre E-Cargo Bikes sollen automobile, meist dieselbetriebene Logistik-Transporter, wie kleine Sprinter und Vans, im innerstädtischen Verkehr ersetzen. Dabei wird nicht nur der Verkehr entlastet, weil Cargo Bikes auf den Radfahrwegen fahren können, sondern auch die Feinstaubbelastung. Die E-Cargo Bikes können dabei über 200 kg Frachtgewicht aufnehmen, und sind dabei sogar wettergeschützt Ein weiterer Vorteil ist, dass die E-Cargo Bikes beim Ausliefern keine kleinen Nebenstraßen versperren, nicht in 2. Reihe parken müssen und generell weniger Raum benötigen, was auch die Verkehrssicherheit in den Städten deutlich erhöhen kann.

E-Bikes und Fahrräder aus nachhaltigen Bambus-Material stellt das norddeutsche Startup myBoo her. Die Räder von myBoo werden in Ghana hergestellt, wo unter fairen Bedingungen neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Das Startup finanziert u.a. auch eine Schule in Ghana, um neben einem Umweltimpact auch einen sozialen Mehrwert zu schaffen.  

Für den Gründer von myBoo und Landessprecher des Startup-Verbandes in Schleswig-Holstein, Maximilian Schay, haben “Fahrräder aus Bambus ein großes Potenzial, denn der Bambus ist ein schnell nachwachsender und flexibler Rohstoff, der sogar während der Weiterverarbeitung CO2 in seinem Stamm speichert. Dadurch ist der ökologische Fußabdruck unserer Räder wesentlich geringer als bei herkömmlichen Rädern.“ 

Städtischer Verkehr leidet nicht nur unter einer hohen Zahl an Auslieferungsfahrzeugen, sondern auch durch viele allein-fahrende berufstätige Pendelnde. Um die Menge an Autos und deren Emissionen zu reduzieren, bietet RideBee folgendes, innovatives Konzept: Über eine Applikation können Fahrgemeinschaften für berufliche Fahrten gebildet werden, was Kostenvorteile bringt, neue Kontakte können geknüpft werden – aber vor allem sind weniger Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs.  

Das berufliche Pendeln möchte auch MOBIKO für Mitarbeitende von Unternehmen vereinfachen. MOBIKO bietet Unternehmen ein B2B Service-Modell an, um deren HR- und Mobilitätsabteilungen durch ein digitales Tool die Mobilität der Mitarbeitenden einfacher zu managen und nachhaltiger zu gestalten, ohne diese einzuschränken. Über das Tool können die individuelle Mitarbeitermobilität verwaltet werden und steuerkonform mit dem Gehalt abgerechnet werden. Nicola Büsse von MOBIKO sieht unter anderem die Verantwortung von klimafreundlichem Pendeln bei dem Arbeitgebenden: “Viele der Unternehmen bieten Mitarbeitenden keine Anreize für klimafreundliches Pendeln, obwohl das Interesse an nachhaltigen Mobilitätsangeboten stetig wächst. Mit unserem flexiblen Mobilitätsbudget werden Unternehmen den Anforderungen unserer Zeit gerecht und erhöhen ihre Attraktivität für Arbeitnehmende.”

Ein weiteres B2B Startup, aber mit anderer Mission ist Tracks. Seit 2018 möchte Tracks helfen, Lieferketten zu dekarbonisieren. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und Big-Data misst Tracks Daten des Straßengüterverkehrs von LKWs, um daraus Handlungsempfehlungen für Logistik-Unternehmen zu erstellen. Diese können dadurch u.a. Benzin einsparen, was mit den aktuellen Ölpreisen auch einen wesentlichen Kostenvorteil bringt. Die Daten werden direkt von den bereits vorinstallierten Telematik-Systemen der LKWs erhoben, weswegen es keine aufwendige Neuinstallation von Tracking-Geräten bedarf.

Startups sind die treibende Wirtschaftskraft unserer Zukunft. Der Startup-Verband gibt ihnen eine starke Stimme gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Gemeinsam sind wir stärker – mehr Infos zur Mitgliedschaft findet ihr hier. Falls Ihr Euch für weitere Informationen und News aus der nachhaltigen Startup-Welt interessiert, folgt uns auf Linkedin, Instagram, Twitter und meldet Euch für unseren Green & Sustainable Newsletter an oder schaut auf unserer Projektseite sustainable-startups.de.